Von Anbeginn der öffentlichen Telefonie war auch immer das Bestreben nicht nur Gespräche im eigenen Ortsnetz zu führen, sondern auch von Ort zu Ort national und international zu sprechen. Dies wurde von der Anfangszeit 1881 zum Teil bis Anfang der 1980er Jahre bei der Deutschen Bundespost handvermittelt abgewickelt. Zu diesem Zeitpunkt wurden die letzten Handfernämter automatisiert und der Selbstwählferndienst (SWFD) war flächendeckend eingeführt. Bei der Deutschen Post der DDR waren Handfernämter noch bis zur Inbetriebnahme des digitalen „Overlay-Netzes“ nach der Wiedervereinigung beider deutscher Staaten Mitte der 1990er Jahre in Betrieb.

Rechts sehen Sie einen Fernschrank 36/50 der Deutschen Bundespost. Baujahr dieses Schrankes ist 1950.

Von 1950 bis 1983 wurde er im Fernamt des Fernmeldeamtes 1 in der Karolinenstraße in Nürnberg eingesetzt.

Er wurde durch automatische Ferntechnik ersetzt.

Mit diesem Fernschrank wurden Verbindungen im Inland, aber auch ins Ausland, wie z.B. in die damalige DDR und in die Vereinigten Staaten, per Hand hergestellt.

Die Bezeichnung 36/50 deutet darauf hin, dass dieser Fernschrank schon für die Schaltkennzeichen oder Impulskennzeichen (IKZ) 50 hergerichtet ist und somit auch die Voraussetzungen für die Zusammenarbeit mit dem Selbstwählferndient erfüllt.

Die rechte Abbildung zeigt die Bedienelemente auf der Tischseite des Fernschrankes.

Im vorderen Bereich befinden sich die Abfrage- und Verbindungsstöpsel, davor die Überwachungslampen und die Kellog-Schalter zum Abfragen und Verbinden der Fernleitungen. Ganz vorne befinden sich die sogenannten Gesprächszeitmesser, mit welchen die Dauer des Ferngespräches festgehalten wurde.

Vorne links in der Schrankfront erkennt man einen Schachtauslass. Dieser gehörte zu einer „Zettel-Rohrpost“, mit welcher die abgearbeiteten Gesprächszettel zur Rechnungsstelle transportiert worden sind.

Rechts ist eine Nebenuhr für Erfassung der korrekten Uhrzeit zu erkennen.

Im nebenstehenden Bild ist nun die Frontseite des Fernschrankes abgebildet.

Im oberen Teil sind im linken, mittleren und rechten Feld die abgehenden Fernleitungen ins In- und Ausland und die Leitungen ins eigene Ortsnetz abgelegt.

Das untere linke und mittlere Feld nimmt die ankommenden Meldeleitungen auf.


Die nebenstehende Tabelle zeigt die Minutenpreise für Verbindungen nach Nordamerika und Hawaii.

Diese war bis 1982 für handvermittelte Auslandsgespräche von Deutschland in diese Region gültig.

Weiterhin zeigt die Tabelle, wie kostspielig seinerzeit Auslandsverbindungen waren.