Nebenstehend sehen Sie einen Münzfernsprecher 28c. Dieses Gerät wurde in den 1930er Jahren hergestellt. Mit diesem Gerät konnten Orts- sowie handvermittelte Ferngespräche geführt werden. Die Ortsgespräche wurden nach Einwurf des Geldes selbsttätig mittels des Nummernschalters (der Wählscheibe) hergestellt und wurden automatisch kassiert. Ein Ferngespräch wurde zur Einführungszeit dieses Münzers noch handvermittelt. Dazu rief man das Fernamt mittels der Wählscheibe an, meldete ein Ferngespräch an, teilte dem Fernamt die Rufnummer des Münzers mit und hing ein. Daraufhin rief das Fernamt den Münzerfernsprecher zurück und forderte den Sprechgast auf, die fällige Gebühr für das gewünschte Ferngespräch einzuwerfen. Die Sprechzeit betrug drei Minuten. Es konnten Münzen von 5 Pfennig (Pf), 10 Pf, 50 Pf und 1 DM (in den 1930er Jahren Reichsmark) eingeworfen werden. Im Gerät waren zwei Klangstäbe abgebracht, wogegen die Münzen je nach Sorte ein- bis zweimal gegen fielen und einen tiefen oder hohen Ton erzeugten. Anhand dieser Töne konnte das „Fräulein vom Amt“ feststellen, welche Art und wie viele Münzen eingeworfen wurden. Ist die zu entrichtende Gebühr eingeworfen worden, forderte die Vermittlungskraft den Sprechgast auf, den Zahlknopf (rechts neben der Wählscheibe) zu drücken. Das Geld wurde nun kassiert und es ertönte ein Gongsignal für das Fernamt, dass die Kassierung erfolgt ist. Nun schaltete das Fernamt das gewünschte Ferngespräch für drei Minuten durch. Nach diesen drei Minuten schaltete sich das Fernamt wieder ein und fragte den Sprechgast nach der Verlängerung der Sprechzeit. Stimme dieser zu, musste wie oben berichtet die Gebühr erneut entrichtet werden. Verneinte er, wurde die Verbindung getrennt.

Unser Gerät ist nach der Einführung des Selbstwählferndienstes (SWFD) umgerüstet worden für den Einwurf von 10 Pf-Münzen und fungiert nur noch als Ortsmünzfernsprecher.

Auf dem nebenstehenden Bild ist ein Ortsmünzfernsprecher 30 abgebildet.

Wie sein Name schon verrät, konnten von diesem Gerät nur Ortsgespräche geführt werden.

Diese Münzer wurden an Orten mit regen Zulauf, z.B. Postämter, Bahnhöfe, öffentliche Plätze, aufgestellt, wo schon Münzfernsprecher 28 installiert waren, um diese zu entlasten und für Ferngespräche frei zu halten.

Es können nur 10 R-Pf-Münzen eingeworfen werden.

Die Gebühr wurde automatisch kassiert.

Rechts ist ein Ortsmünzfernsprecher 33 zu erkennen.

Dieser wurde im Unterschied zum Münzer 30 bei Privatpersonen, die einen regen Sprechverkehr hatten, z.B. Gaststätten oder Geschäfte, aufgestellt.

Das Gerät kassiert rein mechanisch, d.h. wenn man telefonieren wollte nahm man den Hörer vom Haken, warf zwei 10 Pf-Stücke ein und wählte die Rufnummer.

Nach Wahl der ersten Ziffer der Rufnummer wurde das Mikrofon abgeschaltet.

Meldete sich der gewünschte Teilnehmer nicht oder war der Anschluss besetzt, kam das Geld nach Anhängen des Hörers durch die Ausgabe zurück.

Kam das Gespräch zustande, musste der Sprechgast den Zahlknopf drücken, die Münzen wurden kassiert und das Mikrofon wieder eingeschaltet.

Auf dem nebenstehenden Bild ist ein Ortsmünzfernsprecher 50 abgebildet.

Dieser ist ebenfalls ein Entlastungsmünzer wie der Ortsmünzer 30 und wurde ebenso wie dieser eingesetzt.

In diesem Gerät kamen technische Neuerungen zum tragen.

Das letzte und neueste Gerät an unserer Münzerwand ist ein Selbstwählfernverkehrsmünzfernsprecher 65 (SWFV Mü 65) Variante 5 (V 5).

Es ist der letzte Münzfernsprecher der von der Deutschen Post der DDR eingeführt worden ist.

Mit diesem Gerät war es möglich Orts- und Ferngespräche in Selbstwahl zu führen.

Dieser Münzer arbeitet mit Zählung während des Gespräches, d.h. die eingeworfenen Münzen wurden nach der „vertelefonierten“ Zeit kassiert.

Um diese Zählung zu veranlassen, gab es zwei Verfahren: Einmal die Gleichstromschwellimpulszählung oder die 16 kHz-Zählung.

Unser Gerät arbeitet mit der 16 kHz-Zählung und kann am System 55v (EMD) betrieben werden.

Diese Art Münzfernsprecher wurde auch noch nach der deutschen Wiedervereinigung hergestellt.

Dieses Gerät z.B. ist 1991 vom Fernmeldewerk Nordhausen (FMN), dem Nachfolgeunternehmen der Nordfern produziert worden und ist auf D-Mark-Münzen eingestellt.

Eine weitere Variante der Münzfernsprecher sind die sogenannten Tischmünzfernsprecher.

Kurz werden sie auch Tischmünzer genannt.

Diese Geräte wurden ebenfalls wie die Ortsmünzfernsprecher 33 bei Privatpersonen installiert, die ihren Telefonanschluss auch der Öffentlichkeit zur Verfügung stellten.

Das waren z.B. Gaststätten, Kolonialwarenläden, Pensionen oder kleine Hotels.

Ortsmünzfernsprecher 33 Tisch
Tischmünzfernsprecher 55b

Ab 1933 wurden diese Geräte eingeführt. Links ist ein Ortsmünzfernsprecher 33 Tisch abgebildet.

Hersteller ist die Firma Zwietusch, Berlin, produziert wurde dieser Apparat im Jahre 1939. Das Gerät würde nach dem zweiten Weltkrieg auf DM umgerüstet und in diesem Zustand weiter betrieben.

Die Handhabung war folgende:

Zuerst legte man zwei 10-Pfennig-Stücke in die mittige Mulde.

Sodann wählte man die Rufnummern des gewünschten Teilnehmers.

Sobalb die erste Ziffer der Rufnummer gewählt wurde, ist das Mikrofon im Hörer abgeschaltet worden.

Meldete sich der gewünschte Teilnehmer, schob man den Schieber nach rechts, das Geld wurde kassiert und das Mikrofon wurde eingeschaltet.

War der Teilnehmer besetzt oder meldete er sich nicht, legte man auf und nahm man das Geld einfach aus der Mulde wieder heraus.

Auf der rechten Seite des Apparates ist ein Schlüsselschalter angebracht. Mit diesem konnte der Anschlussinhaber das Gerät umschalten und ohne Einwurf von Geldmünzen telefonieren.

Das rechte Bild zeigt einen Tischmünzfernsprecher 55b. Der Tischmünzer 55b ist der Nachfolger des Ortsmünzers 33 Tisch. Das gezeigte Gerät wurde von Standart Elektrik Lorenz (SEL), Stuttgart um 1960 hergestellt. Der Aufbau und die Handhabung ist die gleiche wie beim oben beschriebenen Ortsmünzfernsprecher 33 Tisch.